Alle reden von Embryonen

 

Die vorerst letzte Runde in der Debatte über die Embryonenforschung in Deutschland wurde im Mai von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG eingeläutet. In ihren "Empfehlungen zur Forschung mit menschlichen Stammzellen" befürwortete die DFG den vorsichtigen Einstieg Deutschlands in die Forschung mit embryonalen Stammzellen. Sie liegt damit in etwa auf der Linie des Bundeskanzlers, der in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag genauso wie in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an die ökonomischen Aspekte der Embryonenforschung erinnert hat. Interview und Rede finden sie auf der leider geframeten Homepage der Bundesregierung unter dem Stichwort "Gentechnik". Zum prominentesten Kritiker der Pläne vom Einstieg Deutschlands in die Embryonenforschung schwang sich Bundespräsident Johannes Rau auf. In seiner Berliner Rede vom 18. Mai erteilte er allen Ideen einer Zellzahl-getriggerten Graduierung der Menschenwürde eine klare Absage und setzte sich für die Beibehaltung des strengen deutschen Embryonenschutzgesetzes ein.

Nicht zu übersehen: Die neue Biomedizin im Netz

Wer sich über die wissenschaftlichen Inhalte der aktuellen Debatte im Internet informieren möchte, findet problemlos reichlich Material. Die DFG beantwortet in ihrem Hintergrundartikel "Was sind Stammzellen?" grundlegende Verständnisfragen zur Gewinnung von Stammzellen und zu den verschiedenen Stammzelltypen. Auf den Internetseiten des "Roslin-Institute", der wissenschaftlichen Heimat von Klon-Papst Ian Wilmut, wird es etwas technischer. Schon wegen der gesammelten Klon-Abstracts sind die Seiten ein Muss für alle, die tiefer in die Problematik des therapeutischen Klonens einsteigen wollen. Die wichtigsten Argumente für und wider die Embryonenforschung fasst unter anderem der "Stemcellreport" der britischen Regierung vom August 2000 zusammen. Dieses Dokument, das Ende vergangenen Jahres schließlich zur Erlaubnis der Stammzellforschung in Großbritannien führte, ist ein wesentlicher Meilenstein auch in der deutschen Debatte. Eine Online-Heimat für Kritiker jeglicher Klonierungsverfahren bietet unter anderem die Schweizer Seite Cloning.ch.

Entwicklungsbiologie: Bilder aus einer Innenwelt

Wenden wir uns nun ab von der abstrakten Wissenschaft und von allen Argumenten für und wider die Menschenwürde von Vier-, Acht- oder Sechzehnzellern. Stattdessen besuchen wir den, der es am besten wissen muss: den Embryo selbst, dem zumindest im angloamerikanischen Netz soviel Aufmerksamkeit zuteil wird wie kaum einem anderen Forschungsgegenstand.Wünsche bleiben kaum offen: Wer ganz am Anfang des Lebens beginnen möchte findet an der Universität von Arizona ein Tutorial zum Thema "Meiose", jenem Teilungsvorgang der Keimzellen, der der Befruchtung unmittelbar vorausgeht. Als Illustration gibt es zwei Meiose-Filme, die wie alle im Folgenden genannten Videos das Quicktime-Download benötigen.Zum Zwecke der Übersicht unterteilt man die ersten Lebensmonate des heranwachsenden Embryos in die Carnegie-Stadien. Eine Übersicht darüber finden Sie hier. Wie ein Embryo im 22. Carnegie-Stadium aussieht, kurz vor dem definierten Ende seines Embryonendaseins, dem Übertritt in die Foetalzeit, erfahren Sie in dieser farbenfrohen Schnittserie. Wer bewegte Bilder bevorzugt, kann sich an der Universität von New South Wales in Sydney, Australien, ansehen, wie ein menschlicher Embryo heranwächst. Auch genauer hinsehen ist erlaubt, denn manchmal verrät ein Detail mehr als die Totale.

Mehr als nur bunte Bilder...

Näher am Leben weil den meisten vertrauter sind Ultraschallbilder aus derselben Periode des intrauterinen Daseins. Hier erfahren Sie, wie Kopf uns Herz eines sieben Wochen jungen Embryonen im Ultraschall aussehen, und hier finden Sie dasselbe bei Zwillingen.
Wer seinen Wissensdurst mit Videos alleine nicht zu stillen vermag, muss sich selbstverständlich nicht damit begnügen. Die an der Universität von Calgary angesiedelte Homepage des Virtual Embryo hat Lehrbuch-Dimensionen und informiert außer über Menschen auch über all jene Organismen, die in den Labors der Entwicklungsbiologie weltweit zu Haustieren geworden sind. Und wem das nicht reicht, der tauche in die Virtuelle Bibliothek der Entwicklungsbiologie der US-amerikanischen Gesellschaft für Entwicklungsbiologie. Letztere ist übrigens mit The Interactive Fly einer der absoluten Internet-Geheimtipps für Drosophila-Enthusiasten.

Quelle: Philipp Grätzel von Grätz